Gebrauchskeramik grau-blau
Keramik mit Salzglasur
Ein Zusammenspiel aus Ton, Wasser, Luft und Feuer.
Die handwerkliche Kunst, die die Physik und Chemie beherrscht.
Vorratsgefäße aus Ton gebrannt kennt die Menschheit schon aus der Antike. Doch im 15.Jahrhundert entstand im Rheinland ein Zufallsprodukt. Im Zusammenspiel mit Salz im Brennvorgang. Die Salzglasur, eine chemische Reaktion bei der die Oberfläche der Keramik verglast. Die Salzkristalle, die beim Brennvorgang eingefüllt werden, explodieren in der plötzlichen Hitze und vedampfen. So entsteht am Ende der Reaktion Silikat auf der Keramik.
Wir sprechen von deutscher Töpferkunst in reinster Form, wenn die Keramik von Hand geformt und bemalt wird. Das Schöne am Handwerk ist die Unperfektheit. Egal wie akkurat die Menschen mit ihren Händen formen, im Kleinen gleicht kein Stück dem anderen. Es entstehen Unikate. Handgefertigte Keramik ein Trend, der seit hunderten von Jahren besteht.
Das blau-graue mit dem klassischen Motiv – traditionell aus dem Westerwald.
Aufwendige Handarbeit in vielen Schritten.
Jedes Stück wird mit Wasser von Hand aus einem Tonklumpen geformt, auf der Scheibe gedreht.
12 Stunden bis zu 1 Woche an der Luft getrocknet.
Henkel, Malereien oder Ritzungen von Hand angebracht und wieder an der Luft getrocknet.
Der Ofen wird über 10 Stunden auf 1270°C aufgeheizt, das Stück bei voller Hitze 25min gebrannt, um dann über 9,5 Stunden kontrolliert abzukühlen. Hier wird in den ersten 5 Stunden auf 400°C sturzgekühlt. Während des Brennens schüttet der Töpfer Salz über eine Stutzen in den Ofen. Das Salz verdampft und hinterläßt die Salzglasur. Jeder Brennvorgang ist eine Überraschung. Schwierig, wenig steuerbar und mit einem hohen Erfahrungs- und Wissensstand des Eulers, wie früher der Berufsstand hieß, verbunden.
So entsteht handgemachtes Steingut mit seinen Vorteilen.
Heißes bleibt lange warm, Kaltes lange kalt.
Und es gibt noch weitreichendere Vorteile:
- Robust, widerstandfähig, wasserdicht
- Lebensmittelecht
- Farb-, geruchs- und geschmacksneutral
- Säurebeständig
- Ohne Schadstoffe, Glasur ungiftig
- Backofen-, Mikrowellen- und Spülmaschinengeeignet
- Stoßunempfindlich
- Frei von Aluminium, Chrom, Metall, Nickel, Nanopartikeln, Beschichtungen
Handwerkliche Kunst und individueller Salzbrand bringen Unikate hervor.
Ein Spezialgebiet in der Keramiktöpferei.
Zukunft liegt in der Vergangenheit traditioneller Ware.
Das Kannenbäckerland im Westerwald
ist das europäische Zentrum für die Keramik mit und ohne Salzglasur. In Höhr-Grenzhausen zeigt Europas größtes Keramikmuseum die Geschichte und Produktion der Keramik in der Menschheit. Der Stadt, die am 30. Oktober 2025 UNESCO Creative City wurde. Die erste Stadt in Deutschland, die als „Stadt des Handwerks“ geehrt wurde. Geehrt für die jahrhundertalte Keramiktradition.
In der Antike haben die Römer Gebrauchsgegenstände aus Ton geformt. Und später im Mittelalter wurde das Brennen und Formen perfektioniert. Damals war das Westerwälder Steinzeug in ganz Europa begehrt. Sicherlich auch durch die geographische Lage direkt an der Salzstraße – perfekt für die Salzglasur nach deren Entdeckung im 15. Jahrhundert.
Aber warum in dieser Region? Weil sich hier Europas reichstes Tonvorkommen befindet.
Und warum heißt es Kannenbäckerland oder Krugbäcker?
Aus Ton werden hier Kannen oder auch Krüge im Ofen gebacken, wie aus Teig Brot beim Bäcker.
Das Westerwälder Steinzeug – eine Keramik die Generationen überdauert.